100. Geburtstag Jörg Zink

Wäre Jörg Zink nicht am 09. September 2016 gestorben, er würde heute seinen 100. Geburtstag feiern. Ich dachte mir, ich lasse ihn heute zu Wort kommen, das Gebet ist leider sehr aktuell im Moment.

Erbarmen

Du, Herr, erbarmst dich der Armen.

Diese Welt ist ein Haus des Leidens,

voll Jammer und Angst, Elend und Verzweiflung.

Erbarme dich unser.

Erbarme dich der Unfreien,

die Knechte sind eines erbarmungslosen Systems,

Knechte der Ausbeutung und der Unterdrückung.

Der Soldaten, die zum Kampf gezwungen werden,

und der Gefangenen, die man bewacht wie wilde Tiere.

Erbarme dich, Herr, aller Völker,

erbarme dich der Ungeduldigen und Kurzsichtigen

unter den Mächtigen,

und der Ungeduldigen und Gewalttäter

unter den Misshandelten und Unterdrückten.

Erbarme dich aller, die Gerechtigkeit suchen

und keinen Weg mehr wissen, als den der Gewalt.

Herr, du erbarmst dich der Armen.

Diese unsere Welt ist voll von Gewalttätern,

von Rechtsbrechern und Menschenschindern.

Erbarme dich ihrer!

Wer hätte Erbarmen nötiger als die Hassenden?

Wie sollen sie sich ändern,

wenn du dich ihrer nicht erbarmst?

So gedenken wir der Abgestumpften,

der Verbitterten und Unbarmherzigen,

aller, die Hass verbreiten und Zwietracht säen,

die den Krieg wollen, weil er ihnen nützt, 

die Nachrichten fälschen und Verbrechen vertuschen.

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Buß- und Bettag

Draußen regnet es. Grau ist es. November. Heute ist Buß- und Bettag. Da muss doch das Wetter grau sein, oder?! Ist ja kein schöner Feiertag. Schuld soll man bekennen. Das macht niemand gerne. Da kann das Gemüt grau werden. Ein „Schlechte-Laune-Tag“.

Aber ist es das, was heute gilt? Klar ist: Wir alle scheitern. Wir alle tragen Schuld. Ob wir das nun einsehen oder nicht. Und da will der heutige Feiertag helfen. Er zeigt: Es gibt immer die Möglichkeit, neu anzufangen. Gott vergibt uns unsere Schuld, auch wir sollen vergeben. Uns und unseren Mitmenschen. Dass wir vielleicht nicht genung Zeit haben manchmal. Dass wir ungerecht gewesen sind. Dass wir Sorgen nicht ernst genommen haben. Und so weiter und so fort.

Wir sind alles keine Heiligen (und selbst die gehen beichten). Vielleicht sollten wir doch genau deswegen hin und wieder schauen: Was habe ich gemacht? Wen habe ich verletzt? Für wen war ich nicht da? Um dann neu zu beginnen. Eine neue Chance, neue Chancen haben wir alle verdient. Der heutige Tag ist, finde ich, ein wichtiger. Einer, der Mut macht. Sonntag ist Ewigkeitssonntag und dann beginnt das neue Kirchenjahr. Es wird Advent (ob uns nun danach ist oder nicht) und es wird wieder hell werden im Dunkel. Ich freue mich drauf! Und nutze diesen heutigen Tag, um einmal neu zu beginnen. Und du?

Gedanken zum 09. November 1989

Am 02.11. habe ich die Andacht zum Beginn der Kirchenvorstandssitzung gehalten und nun dachte ich, ich teile sie auch mit euch. Am Ende sangen wir die erste Strophe von „we shall overcome“, fühlt euch frei, das auch zu tun.

„Da sitzt er nun. Knapp 61 Jahre alt, seit drei Tagen im Amt. Von Haus aus Journalist, nun sind die Augen der Welt auf ihn gerichtet. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, soll Gorbatschow gesagt haben (dass es tatsächlich Gerassimow war tut dem Spruch keinen Abbruch).  Zu spät war er auch, hatte einiges nicht mitbekommen, als er erst um 17:30 Uhr zur Besprechung dazustieß. 30 Minuten später startete die Pressekonferenz und wirklich vorbereitet war er nicht.

Seit Monaten ging es hoch her. Es brodelte. Gott sei Dank waren es friedliche Demonstrationen. Keine Toten, wenn auch viele Festnahmen. Der Staat ging den Berg hinab. Ochs und Esel halten manchmal doch nicht auf, was sie aufhalten sollen.

„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ heißt es in Psalm 18 – wenn auch nicht wortwörtlich, das sei fairer Weise erwähnt. Es stimmt aber. Ausgangspunkt der Demonstrationen waren die Kirchen. In Leipzig und überall in der DDR. Und das, obgleich sie großen Problemen durch den Staat ausgesetzt waren. Vielleicht aber auch genau deswegen. Mit Gott wird Leid, werden Repressalien nicht weniger schlimm. Und doch hört man immer wieder, dass der Glaube hilft, alles durchzustehen. Mut wird gefasst. Man geht auf die Straße, traut sich, seine Stimme zu erheben. Und so vermischten sich dann zwei Satzfetzen, beide in die Geschichte eingegangen. „Wir sind das Volk“ riefen die einen und „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“ sagte Schabowski am Abend des 09.11.1989. Seitdem ist Deutschland ein anderes Deutschland. Gott sei Dank, bei allem, was auch heute noch Probleme bereitet. Zusammen können wir über Mauern springen. Das sollten wir nie vergessen. Halten wir uns fest, laufen wir los und springen hoch. Warum sollen wir es nicht immer wieder schaffen?“

Die Nikolaikirche in Leipzig- Ausgangspunkt der friedlichen Revolution

Zum Reformationstag

KZ-3 hieß er einmal, seine „Geschwister“ KZ-1, KZ-2 und KZ-4. Während sie nicht überlebt haben, kann man ihn auch heute noch anpflanzen. Allerdings findet man ihn inzwischen eher unter seinem neuen Namen „Korbiniansapfel“. Das ist auf der einen Seite logisch, da sein Züchter Korbinian Aigner hieß, auf der anderen Seite ist das sehr schade, denn so vergisst man schnell die Geschichte dieses besonderen Apfels.

Korbinian Aigner wurde am 11. Mai 1885 geboren und im Sommer 1911 zum Priester geweiht. Schon während seiner Studienzeit hatte er Interesse an der Obstzucht und gründete sogar einen entsprechenden Verein. In den Augen der Nationalsozialisten hatte Aigner allerdings einen Fehler: Er war gegen sie. Und so kam er (nachdem er schon zuvor strafversetzt wurde, Geldstrafen zu zahlen hatte etc.pp.) ins KZ Dachau (ich habe das mal extrem abgekürzt, da ich heute noch zum Punkt kommen will – wen der Weg nach Dachau interessiert möge sich melden oder googlen). Die Zwangsarbeit dort leistete er hauptsächlich in der Landwirtschaft ab und schaffte es sogar, die Sorten KZ-1, -2, -3 und -4 dort zu züchten und noch während der Haft herauszuschmuggeln. Vier von ihnen stehen nun bei uns auf dem Grundstück. Je ein Baum für einen von uns (Danke, Papa!!!!).

Martin Luther wird der Satz zugeschrieben „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Er hat ihn nie gesagt oder aufgeschrieben. Ist aber egal. Der Weltuntergang kann kommen. Hier stehen vier Bäume. Alles wird gut. Sie werden wachsen, so wie unsere Kinder, unsere Liebe, die Zuversicht darauf, dass alles gut wird.Habt einen gesegneten Reformationstag!

Das Kennlerngespräch

Nach der Anfrage per Mail folgt eine Antwort von mir – logisch soweit, denke ich. Und dann kommt, wenn Ihr Lust habt und ich an Eurem Termin noch Zeit habe, das Kennlerngespräch. Das wirklich genau nur das ist: ein Kennenlernen.

Vielleicht habt Ihr schon Ideen? Wisst schon, welche Musik es sein darf oder wer mit wem einzieht? Vielleicht habt Ihr aber auch noch gar keine Idee oder Vorstellung und wisst nur, dass es nicht länger als 40 Minuten sein soll? Genau deswegen treffen wir uns unverbindlich: Damit ich aufzeige, was alles möglich ist und damit Ihr wisst, was ca. wie lange dauert und wie eine Zeitplanung für eine freie Trauung gemacht werden kann.

So lernen wir uns dann kennen und Ihr habt dann Zeit, Euch zu entscheiden. Entscheidet Ihr Euch gegen mich, ist das vollkommen okay – ich bitte nur herzlich, es mir dann mitzuteilen und nicht nichts zu machen. Entscheidet Ihr Euch für mich, notiere ich Euren Termin fest im Kalender, schicke Euch einen Vertrag, wir sind in Kontakt per Mail und Telefon und Handy und wie auch immer (;-)) und ca. acht bis sechs Wochen vor Eurem großen Tag treffen wir uns final und besprechen alles. Das kann dann einige Stunden dauern, ich werde nicht gehen, bis nicht alles besprochen ist 🙂

Ich freue mich auf die vielen Kennlerngespräche, die nun anstehen und wünsche euch allen eine schöne weitere Woche!

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Sonne oder Regen? – oder: Plan B kann nie schaden

Smaltalk-Thema Nummer 1 ist vermutlich das Wetter. Zu nass, zu trocken, zu warm, zu kalt. Irgendwas ist immer – mal abgesehen davon, dass es im Moment nachweislich viel zu trocken war und immer wärmer wird. Aber den Klimawandel gibt es natürlich nicht… Ach, ich schweife schon wieder ab.

Das Wetter also. Das ist genau das, was wir nicht planen können. Das steht einfach nicht in unserer Macht. Es ist vollkommen egal, ob wir den Teller aufessen oder nicht, davon scheint die Sonne nicht mehr oder weniger (und ihr wisst es eh: „Wenn du dien Teller leer ittst, dann gifft dat morgen goodes wedder.“ heißt natürlich, dass es am nächsten Tag wieder etwas leckeres zu essen gibt und dass das eben nichts mit dem Wetter zu tun hat.)

Immer wieder ist es so, dass es keinen Plan B gibt. Wenn sich dann ein paar Tage vor der Zeremonie herausstellt, dass es nicht so wird wie geplant, ist das oft schwierig. Es ist, wenn es zu heiß ist, sehr elendig, keinen Sonnenschutz zu haben. Bei Regen, Wind und keinen 10°C ist es im Sommer draußen ebenfalls kein Vergnügen. Was ich sagen will: Egal, wann ihr eine Zeremonie plant: Überlegt, was der Plan B wäre. Wie ihr mit dem Wetter umgehen könnt, wenn es absolut nicht wird, wie es soll.

Das Brautpaar, dem ich diese Kulisse für das Foto verdanke, hat sich trotz aller Bedenken für eine Trauung draußen entschieden. Nach einem Schauer noch kurz vor Beginn kam die Sonne raus, als die Braut nach vorne schritt. Man muss auch einfach mal Glück haben und etwas riskieren 🙂

„Ich bin so froh, dass ich ´n Mädchen bin“

Na, Ohrwurm? Wenn ja, weiß ich ungefähr, wie alt ihr seid 😉 Aber mal im Ernst. Heute ist der Weltmädchentag und alleine die Tatsache, dass es ihn gibt, deutet auf nichts Gutes hin. Man müsste doch meinen, es ist vollkommen egal, ob man Mädchen ist oder Junge. Noch immer haben Mädchen allerdings nicht dieselben Chancen wie Jungen, müssen sich mehr durchbeißen, werden anders behandelt. Frauen dann im Weiteren auch. Warum sollte sich das auch ändern, nur weil sie keine Mädchen mehr sind…

Rund 130.000 Mädchen weltweit gehen nicht zur Schule – weil sie nicht dürfen, versteht sich. Nicht, weil sie mal nen Tag schwänzen. Mädchen werden früh verheiratet und werden oft sehr früh schwanger, erleben viel öfter sexuelle Gewalt als Jungen. Es gibt so vieles, was nicht gut läuft, um es vorsichtig zu schreiben. Nur, weil das alles vorwiegend nicht in unserem Land, nicht in Europa stattfindet, heißt das allerdings nicht, dass es uns nichts angeht. Es geht uns natürlich etwas an, wenn die Rechte von Frauen und Mädchen mit Füßen getreten werden (leider nicht im übertragenen Sinne sondern wortwörtlich). Und oft stehe ich da und denke: Welch Privileg, du kleines Würmchen, dass du heute eine Willkommensfeier erhältst und andere Mädchen nicht mal wissen, ob es ihnen abends noch gut geht an Leib und Leben. Noch viel mehr als ich es für Jungen mache, versuche ich, den Mädchen Mut mit auf den Weg zu geben. Mut, die zu sein, die sie sind und sein wollen. Nicht die zu werden, die andere gerne vor sich hätten. Wäre es doch nur so einfach, würden Worte helfen.

Allen Mädels einen schönen Weltmädchentag, euch allen einen schönen Tag und offene Ohren und Augen, wenn Unrecht geschieht in Verbindung mit Mut, dieses dann anzuprangern.

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Erntedank – wofür bist du dankbar?

Allerorts wird im Moment Erntedank gefeiert. Kirchen und Kapellen sind geschmückt. So viel, für das wir dankbar sein können. Zumal, wenn man weiß, dass so viele Menschen nicht diese Gründe haben, die wir haben. Wir leben in Freiheit, im Frieden. Wir leben in einer Demokratie und nicht in einer Diktatur. Trotz Trockenheit gab es Ernte, wenn auch weniger als sonst. Ganz persönlich bin ich für meine Familie und Freunde dankbar. Für unsere beiden weltbesten Kleinkinder. Für wundervolle KollegInnen und Paare. Dankbar für so viele Dinge, die ich einfach tun kann, weil sie mir Spaß machen und mich erfüllen; dankbar, dass der Kühlschrank voll ist. Tatsächlich bin ich auch dankbar für alles, was nicht so läuft – ich wäre nicht, wer ich bin, wenn das alles nicht so wäre, wie es eben ist.
Für was bist du dankbar?

Das Ende der Saison

Aha, denkt sich die geneigte Leserin und der geneigte Leser, die Saison ist bei ihr also vorbei. Ja, das stimmt, kann ich antworten. Und zeitgleich: nein, noch nicht. Es stehen noch Nacharbeiten aus. Allerdings keine weiteren Trauungen und Willkommensfeiern.

Es war eine sehr schöne Saison. Mit tollen Paaren, tollen Menschen, die sich eingebracht haben (bei Hochzeiten und Willkommensfeiern und Beerdigungen), tollen Eltern und Paten und Hinterbliebenen, die es einem in aller Freude und in allem Schmerz leicht gemacht haben. Es gab immer so viel zu erzählen, egal zu welchem Anlass. Und da wir Mitte Juli wieder sehr spontan Eltern wurden (denn in unserem Fall kam wieder einmal ein Anruf aus heiterem Himmel und keine Schwangerschaft von 10 Monaten) hatte ich dann vor allem zwei Dinge: eine sehr flexible Mama und einen ebenso flexiblen Mann, ohne die ich wenig geschafft hätte von dem, was längst ausgemacht war und ich hatte sehr flexible Paare. Denen es egal war, dass man sich dann eben nicht sah, sondern nur vor dem PC sprach; die die Treffen so legten, dass unsere Kids im Bestfall schon im Bett waren usw. usf. Dafür gilt es, von Herzen DANKE zu sagen. Das ist nicht selbstverständlich. Von keiner/m der Beteiligten.

Übermorgen startet die neue Hochzeitssaison mit einem Treffen mit einem 2023-Brautpaar. Und Beerdigungen wird es auch noch geben. Es wird nun aber ruhiger. Zeit, den Herbst zu genießen. Zeit, bei Regen einen Kaffee in der Mittagspause zu genießen oder einfach ein Buch zu lesen.

Ich liebe das, was ich tue, wirklich sehr. Es ist trotzdem auch schön, wenn es ruhiger wird. Immerhin gibt es auch noch einiges nachzuarbeiten. Das mache ich sehr gerne und nun auch mit der Zeit, die das eben braucht. Weil ich sie nun habe.

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