Freude und Leid…

…liegen sehr oft nah beieinander.

Vermutlich kennt ihr das aus eigener, privater Erfahrung. Ich kenne es zudem beruflich. Erst gestern Nachmittag war es wieder soweit: Ich kam von einem intensiven Trauergespräch und war gerade dabei, die Trauerfeier vorzubereiten, als das Telefon klingelte. Am Apparat mein zauberhaftes Brautpaar vom Samstag. Wir haben recht lange telefoniert, viel gelacht, und als wir aufgelegt hatten, ging es mit der Vorbereitung weiter. Der Vorbereitung für die Beisetzung eines, ergänzend bemerkt, viel zu früh Verstorbenen. Was nur noch mehr verdeutlicht, wie nah Leid und Freude beieinander liegen…

Ich freue mich tatsächlich sehr, dass ich all das begleiten darf. Auch wenn das etwas merkwürdig klingt: Es ist mir eine Ehre. Eine Ehre, dass mir vertraut wird, dass ich es gut mache – sei es in Freud oder Leid. Danke!

IMG_20190514_144014_937[1].jpg

Werbeanzeigen

Daseinsberechtigung

Immer wieder kommt es vor, dass wir RednerInnen gefragt werden, warum wir für das, was wir da tun, Geld nehmen. Es wäre dann ja viel günstiger und persönlicher sowieso, wenn es eine Freundin oder ein Familienmitglied übernimmt.

Grundsätzlich ist JedeR frei, für die Rede und Zeremonie zu wählen, wer immer gewünscht ist. Das kann hervorragend werden mit eingen Freunden, das kann extrem gruselig mit bezahltem Dienstleister sein. Und natürlich alles dazwischen. Ich gebe aber zu bedenken: Je näher sich Paar und Zeremonienleiter stehen, desto nervöser sind auch diese und nicht immer kann dann kühler Kopf bewahrt werden, wenn es denn nötig sein sollte. Und passieren kann immer etwas Unvorhergesehenes. Die Location muss relativ spontan neu gesucht werden, das Kleid / der Anzug hat eine Macke oder ist kaputt, es gibt Regen ohne Plan B, …. Die Erfahrung zeigt: Als Dienstleister sind wir cool und können uns kümmern. Besser als Familienmitglieder es in den meisten Fällen können. Und wenn professioneller Gesang gebucht ist für die Zeremonie, wird es auch sicher nicht vorkommen, dass „ach scheiße, wo bin ich denn jetzt?!“ ins Lied eingebaut wird, wenn man sich versingt trotz Liedblatt…

Dienstleister haben also durchaus eine Daseinsberechtigung, auch wenn das manche Menschen anders sehen.

Sprechverbot

Keine Angst, ich habe keine Kehlkopfentzündung. Ich darf sprechen. Die letzte und bisher einzige Kehlkopfentzündung war irgendwann in der 8. Klasse oder so und es war nicht lustig. Weil es tatsächlich extrem anstrengend ist, wenn man mal eben für knapp zwei Wochen gar nichts sagen darf – und wenn man es dann trotzdem ausprobiert auch gar nicht kann (was in der Tat sehr beängstigend war!). Nein, alles gut. Ich bin gesund. Das Sprechverbot wird mir trotzdem immer mal wieder ausgesprochen und das hat seine Gründe.

Wann immer ich eine Zeremonie welcher Art auch immer vorbereite, ich rede mit Menschen, um Dinge zu erfahren. Und durchaus gibt es da Sachen, die für mich wichtig sind, damit ich den Hintergrund einer Sache weiß, die aber sonst niemand erfahren soll. Mir wird quasi ein punktuelles Sprechverbot erteilt. Ich finde das gut und bin da sehr dankbar für. Denn stellt euch mal vor, ich bekomme dies oder das nicht erzählt und erzähle etwas, was ich in dem mit bekannten Zusammenhang lustig ist – und trete damit voll in ein Fettnäpfchen. Das wäre für die betreffende Person nicht im Ansatz lustig und für mich natürlich auch nicht. Darum ist es gut, wenn viel erzählt wird und genau so gut ist es, wenn mir für bestimmte Dinge ein Sprechverbot erteilt wird. Und glaubt mir, man erlebt wirklich krasse Dinge! Ich werde keine Beispiele nennen, aber es war schon alles denkbar und undenkbare dabei.

Ich halte mich also weiterhin gerne an Marie de Sévigné und rede nur, wenn ich es darf: „Die Tatsache, dass die Menschen mit zwei Augen und zwei Ohren, aber nur mit einem Mund geboren werden, lässt darauf schließen, dass sie zweimal so viel sehen und hören als reden sollen.“ 😉

Sprechverbot

Baumstammsägen

Ihr kennt das doch bestimmt auch: Das Brautpaar kommt aus dem Standesamt, von der Zeremonie oder zur Location und muss erst einmal einen Baumstamm zersägen. Aber was soll das? Nun, es soll zeigen, dass die beiden zusammen alles schaffen – auch mit stumpfen Sägen Baumstämme 😉 Es zeigt, dass sie zusammen agieren können (aktiv und passiv), dass sie sich absprechen können. Und vor allem ist es ein großer Spaß – meistens eher für die Gäste als das Paar, aber irgendwas ist ja immer 😉

Habt ihr auch einen Baumstamm zersägen oder etwas anderes zusammen bewerkstelligen müssen? Erzählt mir gerne davon! 🙂

Ostern und der Tod

Wir sind mitten drin in der Karwoche – und ich weiß alleine von drei Beerdigungen, die noch vor Freitag und somit vor Ostern vonstatten gehen.

Mindestens drei Mal Zugehörige, die voller Trauer Abschied nehmen müssen. Und doch hoffe ich, gerade jetzt, gerade zu Ostern, dass sie in all der Trauer sehen können: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Wir dürfen verzweifelt sein, wir dürfen trauern. Natürlich. Wir dürfen aber auch auf ein Wiedersehen hoffen. Gott ist durch Jesus gestorben – nicht einfach so, sondern nach langen Qualen. Und Gott ist wiederauferstanden. Das klingt unglaublich und ich wünsche doch so sehr, dass das allen Menschen Hoffnung gibt. Da ist mehr als der Tod. Das ist Hoffnung. Und vielleicht ein Wiedersehen.

„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4)

IMG_20180610_183042383[1]

Gegen das Vergessen

Heute vor 74 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer ermordet. Es bleibt zu sagen: „Nie wieder!“.

In „Widerstand und Versöhung“ ist zu lesen: „Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinne-rung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“

Allen Trauernden wünsche ich, dass sie dieses kostbare Geschenk in sich tragen können.

Konkurrenz

Es heißt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Da mag was dran sein, denn es wird für den Kunden v.a. dann unschön, wenn es weit und breit nur einen Anbieter einer bestimmten Leistung gibt. Das kann dann wirklich teuer werden und oft sind die Preise von den Anbietern extrem hoch, da es niemanden gibt, der unterbieten kann.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich nun die ersten Leser*innen, die die Augen drehen. Es sollte, so der richtige Einwand, nicht ums Unterbieten gehen. Ne, soll es nicht. Aber ich denke, dass allen klar ist, was ich meine. Es ist doch immer gut, wenn die Kunden die Wahl haben und nicht mangels weiterer Anbieter quasi gezwungen sind, diesen einen Anbieter zu nehmen. So wie bei uns Hochzeitsrednern. Wir alle unterscheiden uns in so ziemlich allem, in dem man sich unterscheiden kann. Ausbildung / Background, Humor, Empathie, Preisvorstellungen, Zusatzangebote. Ich könnte die Liste ewig erweitern. Ich finde genau das aber eine Bereicherung. Denn so hat jedes Brautpaar die Chance, wirklich die Rednerin, den Redner für sich zu finden. Niemand muss die Rednerin oder den Redner nehmen, die/der im Nachbarhaus lebt. Im Leben käme ich aber nicht auf die Idee, meine Kollegen als Konkurrenz zu sehen oder zu benennen. Und ich bin froh, dass es meinen Kolleg*innen auch so geht. Wir können alle einfach nur von einander lernen. Auch, wenn man vielleicht nicht alles nur toll findet, was die Anderen so machen. Auch als Konkurrenz zur Kirche sehe ich mich nicht. Warum auch? Wir sind eine gute Alternative für Menschen, die nicht in der Kirche heiraten dürfen oder möchten. Um so schöner doch, dass es uns für diese Alternative gibt, oder nicht!?
Wann immer ich eine Anfrage bekomme und an dem Termin nicht kann, werde ich weiter meine Kolleginnen empfehlen. Weil wir eben Kolleginnen sind und nicht Konkurrenz.