Internationale Tage

Die vereinten Nationen listen eine Reihe von internationalen Tagen zu allen möglichen Themen. Gestern war der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie, am 15. Mai war der Internationale Tag der Familie. Und irgendwie greift das für mich ineinander über. Familie ist eben so viel mehr als nur Vater, Mutter, Kind. Man kann leibliche Kinder haben oder andere, Familie ist man. Man kann zwei Mamas sein oder zwei Papas oder drei Erziehnde oder wie auch immer. Und auch, ob man einfach so Familie wurde oder es lange gedauert hat, Familie ist man. Familien sind bunt. Mit einem Kind und mit mehreren Kindern. Ein Blumenstrauß. Zusammen wunderschön und wenn eine Blume fehlt, dann sieht es komisch aus. (Natürlich läuft nie immer alles nur toll, aber im Grunde ist Familie ne tolle Sache!)

Gestern dann also der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie und wie oben schon geschrieben: Familie ist bunt. Und weil das so ist, sollte es auch niemanden interessieren, wer da wen liebt. Wir leben im Jahr 2021 – wie traurig, dass es diesen Tag überhaupt noch braucht! Und wie furchtbar, dass es noch immer Länder gibt, in denen man nicht einfach lieben kann, wen man eben liebt! Und vielleicht sogar hingerichtet wird. Hingereichtet, weil man liebt! Unfassbar, ehrlich! Bevor jetzt aber alle wie doof mit dem Finger auf eben diese Länder zeigen: Auch in Deutschland gibt es Homophobie, Transphobie und Biphobie. Gibt es Menschen, die sich nicht trauen, offen zu sagen oder zu zeigen, wen sie lieben und solche, die das tun und dafür bepöbelt und angegriffen werden. Können wir uns darauf einigen, das Wort gegen diese Angreifer zu erheben, wenn wir sowas mitbekommen?! Ja? Danke! Denn auch, wenn es vielleicht naiv ist: Ich träume von einem Land, von einer Welt, in der man einfach sein kann, wie man ist. In der man liebt und lebt, wie man sich eben fühlt. Bunt. So, wie das Leben ist.

Photo by Sharon McCutcheon on Pexels.com

Wie lieblich ist der Maien

Wenn man schon einen Vorfahren hat, der ein so schönes Lied geschrieben hat, dann darf man das auch mal zitieren, oder?! Auf dass nicht nur der Mai so lieblich bleibt, wie er die letzten Tage war, sondern der Sommer an sich lieblich wird. Und wieder normaler. Ein bisschen wenigstens.

1. Wie lieblich ist der Maien
aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen,
weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen
mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen,
die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre
für solche Gaben dein!
Die Blüt zur Frucht vermehre,
lass sie ersprießlich sein.
Es steht in deinen Händen,
dein Macht und Güt ist groß;
drum wollst du von uns wenden
Mehltau, Frost, Reif und Schloß’.

3. Herr, lass die Sonne blicken
ins finstre Herze mein,
damit sich’s möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben
allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben
und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen
zu Lob dem Namen dein
und lass mir wohl gelingen,
im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen
von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen
und nicht verwerflich sei.
(Martin Behm, 1604)

Geburtsjahr: 1921

Was haben u.a. Friedrich Dürrenmatt, Sophie Scholl, Max Kruse und Wolfgang Borchert gemeinsam? Genau, sie alle sind 1921 geboren. Vor 100 Jahren. Sie alle würden in diesem Jahr einen sehr speziellen runden Geburtstag feiern. Und was sie alles in den 100 Jahren erlebt hätten! Der erste Mann auf dem Mond, dem Fernseher folgten das Radio und später das Internet, Währungsreformen (für die Menschen im Osten sogar noch eine mehr) und eben auch die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg. Der übrigens schuld daran ist, dass zwei der genannten Personen nicht sehr alt wurden / werden durften – um es vorsichtig zu formulieren. Ermordet, weil sie sich einmischten (Sophie Scholl) oder gestorben, da schwer erkrankt durch Krieg und Gefangenschaft (Wolfgang Borchert). Auch Dürrenmatt und Kruse sind schon vor Jahren gestorben, es ist der Lauf der Dinge.

Am Sonntag wäre Oma, also meine Schwiegeroma (um genau zu sein), 100 Jahre alt geworden. Sie ist Ende Januar gestorben, knapp vor ihrem 100. Geburtstag. Prinz Philip auch, das haben die meisten von euch wohl mitbekommen. Was ein Leben liegt hinter ihnen! Wieviel Entbehrung und wie viele wundervolle Ereignisse! Hochzeit und Geburt von Kindern, Enkeln und sogar Urenkeln, Neuanfänge (vor allem nach Kriegsende) in einer neuen Heimat und dann zwei Entdeckungen, die bis heute Einfluss auf die Menschheit haben: Die Entdeckung des Penicillins und die der Atomkraft. Heute so selbstverständlich (und doch auch angstmachend, wenn man sich die Atomkraft vor Augen führt, Hiroshima, Tschernobyl und Fukushima), vor ~100 Jahren etwas ganz Neues. Verknüpft mit viel Hoffnung; ja, auch die Atomkraft. So viel, was erfunden wurde und passiert ist. Was wohl alles gewesen sein wird, wenn wir einmal 100 Jahre alt sind? An was wird man sich noch erinnern? Den 11.09.2001? Die Corona-Pandemie? In jedem Fall wohl an die friedliche Revolution und den Fall der Mauer. Und an was wollt ihr euch erinnern?

(Photo by Juan Pablo Serrano Arenas on Pexels.com)

Ein Jahr Maskenpflicht

Seit einem Jahr herrscht in Deutschland Maskenpflicht. Das heißt nichts anderes, als dass ich mich seit einem Jahr frage, was so schwierig daran ist, die Masken richtig aufzusetzen. Überhaupt was so schlimm daran ist, sie grundsätzlich aufzusetzen. Zum einen konnte man sich, als es noch nicht die OP-Masken-/FFP-Maskenpflicht gab, einen Sport draus machen, Masken passend zum Outfit oder Anlass zu tragen, zum anderen schützen die Dinger mich und andere. Ich habe schon Menschen im Hochsommer in völlig überhitzen Badezimmern mit Maske bekleidet geduscht, da wussten viele nicht mal, dass es Masken gibt. Soll heißen: Wenn es Menschen gibt, die die Teile auf Arbeit stundenlang tragen müssen (und das ohne zu murren tun, um sich und den/die Andere/n zu schützen), wie schlimm kann es dann sein, mal eben beim Einkaufen son Ding aufzusetzen?!

Oben seht ihr meine (zum Teil eh schon auf Arbeit getragenen) medizinischen Masken, in der Mitte meine blaue Alltagsmaske, die Maske für Beerdigungen, meine Maske für alles kirchliche und die für die drei Besuche beim Handball im Oktober. Die untere Reihe ist vermutlich selbsterklärend, wenn nicht: 11:30 Uhr am Sonntag KiKA einschalten!

Von Liebe, Dankbarkeit und Erinnerung

„Das Foto vor mir auf dem Tisch ist längst vergilbt und altmodisch“ beginnt Reinhard Mey sein gleichnamiges Lied `Das Foto vor mir auf dem Tisch´ aus dem Jahr 1985. Auch vor mir liegt ein Foto, in diesem Fall nur knapp älter als das soeben zitierte Lied, aufgenommen am 16. Dezember 1983. Vier Erwachsene, fünf Kinder – um es einmal ganz neutral zu beschreiben. Alle sind fröhlich, es ist kein wirklich gestelltes Foto. Nur ein Blick genau in die Kamera, eine Mutter wiegt ihr Baby, eine andere füttert ihrs. Die drei Kinder im linken Bereich schauen nicht mal im Ansatz auf das Geschehen, irgendwas muss dort in der anderen Ecke sehr interessant gewesen sein – vermutlich mein Papa.

Das Foto vor mir auf dem Tisch, es zeigt tatsächlich mich und Freunde und Freundinnen aus Kinder- und Jugendtagen. Den „Freitagsclub“, wie Mama ihn nannte und nennt. Meine Eltern sind übrigens gar nicht auf dem Foto zu sehen. Mama hat das Foto gemacht, Papa steht vermutlich dort, wo wir drei hinschauen (s.o.). Ich weiß es nicht. Es fehlen zudem zwei Väter – und wäre das Foto ein paar Jahre später entstanden, wären auch noch drei Kinder mehr zu sehen. Auch mit ihnen wurde, als sie dann geboren waren, jeden Freitag zusammen gegessen.

Das Foto vor mir auf dem Tisch, es weckt so viele positive Gefühle. Was für eine tolle Kindheit und Jugend wir hatten! Wieviel Spaß, einfach so und auf Geburtstagen und anderen Festen. Welch Segen, dass die Freundinnen und Freunde der Eltern auch die von uns Kindern waren (und sind) und wir Kinder fast alle gleichalt waren und uns hatten. Und dann schaut man sich das Foto an und es wird einem ganz mulmig. Von allen auf dem Foto gezeigten Erwachsenen lebt nur noch eine. Auch die nicht auf dem Foto zu sehenden Ehemänner der abgebildeten Mütter sind schon verstorben.

Das Foto vor mir auf dem Tisch, ich kann es nur so neutral beschreiben, weil ich die Persönlichkeitsrechte schützen mag. Und doch überkommt mich immer und immer wieder die Erinnerung. Die ist natürlich ganz und gar nicht so neutral wie die Beschreibung: Da ist das Ehepaar, das bei einem Autounfall starb, als ich am Ende meiner Kindergartenzeit war. Ein Junkie, der sich das Leben nehmen wollte, ist ihnen frontal ins Auto gefahren – er hat überlebt. Ich erinnere mich nur bruchstückhaft an die Beerdigung, ich weiß aber, dass es ein doppelter Verlust für mich war und ist: Nicht nur, dass die beiden so sinnlos und viel zu früh starben, auch ihre Kinder habe ich nie wieder gesehen. Sie zogen zur Oma, die lebte weit weg und hat es nicht geschafft, den Kontakt zu halten. So verloren meine Eltern ihre Freunde und mein Bruder und ich unsere. Vergessen habe ich sie nie. Es gibt Fotos, Postkarten. Inzwischen auch das Internet, man kann suchen. Und ich habe sie vor Jahren gefunden. Habe allen Mut zusammen genommen und geschrieben. Es kam keine Antwort. Das ist okay, ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Und doch kann man nun sehen, dass sie ihren Weg gegangen sind, wie man so sagt.

Dann starb vor über 20 Jahren die Mama, die ihr Kind so behutsam wiegt. Ich werde wirklich nie das Kaffeetrinken nach meiner Konfirmation vergessen, bei dem sie zum Abschied sagte, man wisse nie, wieviel Zeit noch bleibt und wie schön der Nachmittag war. Kurz darauf erkrankte sie schwer, ich habe sie nie wiedergesehen. Dafür aber ihre Jungs und ihren Mann. Der nun auch viel zu früh starb, weshalb mir das Foto wieder einfiel.

Der Vater des Babys, das gerade gefüttert wird, starb, als ich in Riga mein Praktikum absolviert habe. Auch er war lange krank, und trotzdem starb auch er, wie alle anderen, viel zu früh. Ich konnte wegen des Praktikums nicht auf der Beerdigung sein, auf dem Weg vom Flughafen nach Hause sind wir dann aber zum Grab und ich konnte Abschied nehmen. Ich bin meinem Bruder wirklich sehr dankbar, dass er das gemacht hat. Sonst wäre da irgendwie ewig eine Lücke.

Abschied ist so wichtig. Immer schon. Und doch gerade im Moment so schwer. Das Virus macht es schwer. Schwer, zu den Sterbenden zu kommen (selbst als engstes Familienmitglied), schwer aber auch für alle anderen, die Abschied nehmen möchten. Nur wenige Menschen können zu den Trauerfeiern (wie eindrücklich war das nun zu sehen bei der Beerdigung von Prinz Philip, die Queen ganz alleine in dieser großen Sitzbank). Am Ende bleiben Liebe, Dankbarkeit und Erinnerung. Auch über Jahrzehnte. Auch, wenn (meine) Erinnerungen schwächer werden. So sind unsere Toten nicht vergessen sondern mitten unter uns. Ist das nicht wunderbar?! Ich finde das sehr beruhigend, auch wenn ich es viel schöner fände, wenn alle, die auf dem Foto vor mir auf dem Tisch abgebildet sind, noch unter uns wären. Das Leben ist so nicht. Aber mit den Erinnerungen sind sie für immer auch Teil meines Lebens. Oder wie Immanuel Kant es sagte: Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.

Bis zum Mond und zurück

Es gibt so Berufe, da kann man als Angehörige*r vermutlich nicht so gut schlafen, wenn Partnerin oder Partner unterwegs sind. Astronaut*in ist vermutlich so ein Beruf. Zumindest wäre das für mich so. Nicht wissen, ob alles gut geht. Ob mein Mann wieder heile auf die Erde zurück kommt. Ging ja auch immer mal wieder was schief.

So auch heute vor 51 Jahren, als ein Sauerstofftank der Apollo 13 explodierte. Man kann ja nur erahnen, wie es den Männern oben, den Frauen unten und den vielen Menschen, die die drei im Raumschiff retten wollten, erging. In keiner der drei Rollen möchte ich stecken. Mir hat es vollkommen gereicht, im Kino zu verfolgen, wie alles versucht wird, um Lovell, Swigert und Haise nach Hause zu bekommen – wissend, dass es gut ausgeht…

Bis zum Mond und zurück haben sich auch die Hasen im Kinderbuch lieb und stellen fest, dass das ganz schön weit ist. Oh ja! Nicht vorstellbar. Und doch scheint der Mond so schön, erhellt die Nacht und es ist eine tolle Vorstellung, dass die, die man liebt und vermisst, eben diesen Mond auch sehen und man so eine kleine Verbindung hat.

Gestern war Neumond, in zwei Wochen ist wieder Vollmond. Vielleicht schaut ihr dann hinauf und denkt an jemanden bestimmten, den ihr liebt und / oder vermisst – bis zum Mond und zurück.

Osterfrieden 1915

Vielleicht kennt ihr den Film „Merry Christmas“, in dem es um das Weihnachtswunder geht – das friedliche Weihnachten 1914 an der Westfront, als die befeindeten Soldaten aufeinander zugingen, zusammen sangen, sich kleine Geschenke machten. Es wurde dann weitergeschossen und alles ging wieder seinen Gang, also keinen schönen, die Geschichte an sich ist aber wohl bekannt.

Ähnliches geschah tatsächlich auch in einem Teilabschnitt der Ostfront, als an Ostern 1915 für einen Moment der Ostergruß erklang, Ostereier geschenkt wurden. Auch hier nach kurzer Zeit wieder Tod, Sterben und sinnloses Morden, aber eben auch einen Moment Frieden in diesem irren Krieg.

Vielleicht, nein, unbedingt sollten wir uns auf das besinnen, was uns verbindet. Dass es nicht nur wenige Momente des Friedens gibt, sondern vor allem keinen Hass und keinen Krieg. Ostern und Weihnachten zeigen doch deutlich, was eh klar sein sollte: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ – der übrigens als Kind in der Krippe zu uns kam und starb, um uns unsere Schuld zu nehmen.

In diesem Sinne: Damit es Frieden in der Welt gibt, müssen die Völker in Frieden leben.

Damit es Frieden zwischen den Völkern gibt, dürfen sich die Städte nicht gegeneinander erheben.

Damit es Frieden in den Städten gibt, müssen sich die Nachbarn verstehen.

Damit es Frieden zwischen Nachbarn gibt, muss im eigenen Haus Frieden herrschen.

Damit im Haus Frieden herrscht, muss man ihn im eigenen Herzen finden. (Laotse)

Habt eine schöne Osterzeit, die ja nun erst begonnen hat 🙂

Karwoche und Ostern

40 Tage dauert die Passionszeit, nun ist sie fast beendet und wir befinden uns mitten in der Karwoche. Auch in diesem Jahr ist alles anders, als wir es kennen. Alles? Nein! Natürlich nicht! Ostern findet statt. Ostern, das wichtigste Fest der Christenheit. Bei dem -Überraschung- nicht der Geburtstag des Osternhasens gefeiert wird, sondern Jesu Auferstehung.

Nach einem Jahr mit Corona werden so langsam alle müde. Auch die, die sich an alles halten. Vermutlich sogar gerade die, denn solange es Menschen gibt, die alles mit dem Ar… einreißen durch ihr asoziales Tun, solange wird man müde werden. Auch wenn man es nicht will. Gerade darum kommt Ostern wieder einmal genau richtig. Zeigt, dass es weitergeht – sogar nach dem Tod. Ich will mich daran klammern, auch wenn auch ich immer müder werde. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Es geht weiter, es gibt immer einen Weg. Ostern zeigt das und ich wünsche euch, dass ihr das annehmen und glauben könnt. So schwer es vielleicht auch fällt.

Habt frohe und gesegnete Ostertage, lasst es euch gut gehen und bleibt gesund und munter. Bleibt negativ im Test und positiv in der Einstellung.

(Trau-)Gespräche und Kinder

Immer mal wieder kommt es vor, dass die Brautpaare schon Kinder haben. Und in manchen Fällen ist es dann so, dass die Kinder bei den Vorbereitungsgesprächen dabei sind. Wenn sie älter sind, ist das auch absolut kein Problem und auch wenn sie noch ganz klein sind. Es gibt allerdings so ein Alter, da ist es nicht ganz so leicht, wenn die Kleinkinder mit dabei sind. Nicht, weil sie nicht grundsätzlich zuckersüß sind, sondern schlicht und ergreifend, weil ihnen strunzlangweilig ist und sie es doof finden, nicht die volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich kenne das von zu Hause, im Moment kann ich kaum telefonieren, wenn ich mit unserer Tochter alleine bin. Findet sie doof. Sie will mich nicht teilen – und hat damit absolut Recht!

Kinder sind ehrlich toll, sie können einem aber eben auch den letzten Nerv rauben – auch, wenn man sie über alles liebt. Das kennen sicher alle Eltern. Wenn man sich so richtig auf das Gespräch einlassen will, dann empfiehlt es sich trotz aller Liebe zum Kind, wenn dieses nicht komplett dabei ist. Immerhin dauern die Vorbreitungsgespräche gerne zwei Stunden und länger, als 1- oder 2-jähriges Kind fände ich das auch strunzelangweilig und würde wollen, dass sich Mama und Papa mir widmen und nicht so viel reden. Ich empfehle also, die Gespräche zu machen, wenn die Kinder schlafen oder es einen Babysitter gibt. Einfach, damit die Eltern entspannt sind – was nicht der Fall ist, wenn man ständig den Blick auf das Kind richten muss. Ich weiß, wie das ist 🙂 😉

(Bei Trauergesprächen ist die Situation tatsächlich eine ganz andere und da habe ich es bis jetzt sehr selten erlebt, dass überhaupt ein minderjähriges Kind dabei war. Bei Gesprächen zur Willkommensfeier liegt es in der Natur der Sache, dass Kinder dabei sind. Da geht es aber eben auch um dieses Kind / diese Kinder und nicht zwei Stunden um Mama und Papa.)

Blumenkinder

Wie auch sonst für so ziemlich alles gilt: Nichts muss, nur weil es andere hatten oder haben werden. So braucht man natürlich auch keine Blumenkinder (wir hatten zum Beispiel auch keine, weil in der Kirche nicht gestreut werden durfte und nur davor fanden wir einfach blöd). Aber wenn ihr Blumenkinder habt, seid euch sicher, dass das die ein oder andere lustige Situation hervorrufen kann – es folgen Beispiele aus den letzten Jahren:

  1. Da war das Blumenkind, dass es erst nicht abwarten konnte und dann so nervös war, dass es die ganze Zeit geweint hat beim Blumenstreuen. Es hat alles richtig gemacht (was kann auch grundsätzlich schon schief gehen beim Blumenstreuen), aber die Fotos sind natürlich mega mit diesem kleinen armen weinenden Kind im Vordergrund, das sich von niemanden beruhigen ließ…
  2. Da war das Blumenkind, das es unerhört fand, dass die Blüten farblich durchmischt waren und das nach nur ein paar Schritten beim Auszug zur Seite ging, den Korb umdrehte und erst einmal die Blüten farblich sortierte. Mein kleines Monk-Herz hüpfte, die Gäste haben sich genau so amüsiert wie das Brautpaar – nur die Eltern fanden das überhaupt nicht lustig. Das Blumenkind war zwei Jahre alt und hat, denke ich, alles richtig gemacht. Eben das, was es für richtig hielt. Da konnte man auf das empörte „wir haben das doch zu Hause oft genug geübt!“ der Eltern ehrlich nur erwidern „sie ist ein kleines Kind, regen Sie sich bitte nicht auf und schimpfen Sie nicht mit ihr!“.
  3. Da waren die Blumenkinder, die sich mit einem Mal nicht mehr sicher waren, wo sie wohl hingehen sollen. Weshalb sie mich fragten, ob ich vorweg gehen kann. So ging ich voran, die beiden Blumenkinder hinterher und dann das Brautpaar. Der Fotograf hat es super hinbekommen, dass ich auf keinem Foto drauf bin. Davon, dass ich vorweg ging, gibt es nur private Fotobeweise 😉
  4. Da war das Blumenkind, dass die Blumen mit vollen Händen nur so aus dem Körbchen schmiss und sich nach ein paar Schritten, als sein Körbchen alle war, bei dem des anderen Blumenkindes bediente. Bei dem Blumenkind, das vorsichtig jede Blüte einzeln aus dem Korb beförderte. So unterschiedlich sind Kinder und es war einfach zu herrlich – außer für Blumenkind Nr. 2, das auf Blumenkind Nr. 1 verständlicher Weise böse war. Aber wer wünscht sich nicht zankende Kinder auf den Hochzeitsfotos 😉
  5. Da war das Blumenkind, das es nicht gab und darum durch die Pastorin ersetzt wurde. Selten habe ich die Gäste beim Auszug so lachen hören wie damals. Es war einfach zum Piepen komisch. Und doch auch berührend, denn das Paar hatte sich Blumenkinder gewünscht – und niemand aus dem Familienkreis hatte sich gefunden.
  6. Es ist einfach, wie es ist: Kinder sind Kinder und mit und durch sie gibt es so viel zu lachen. Seht es alles nicht so eng, nicht als Paar und nicht als Eltern. Und im Zweifel rächt ihr euch mit den entsprechenden Fotos einfach bei der Hochzeit der Blumenkinder 😉

Es ist einfach, wie es ist: Kinder sind Kinder. Sie haben ihren eigenen Kopf, machen das, was sie für richtig halten. Können ihre Gefühle nicht so steuern wie manch Erwachsener. Nehmt es ihnen nicht krumm. Habt Spaß und schimpft sie nicht aus. Im Zweifel könnt ihr euch ja mit den Fotos „rächen“, wenn sie selber heiraten 😉

Wann geht es endlich los? Aufregung und Vorfreude bei den Blumenmädchen.