Von halb vollen und halb leeren Gläsern

Vorneweg: Ich kann jedes Paar verstehen, das seine Hochzeit verschiebt. Dafür gibt es tausend gute Gründe. Und v.a. die Hoffnung, dass im nächsten Jahr alles normaler ist als jetzt und man so feiern kann, wie man es möchte. Ich habe allerdings kein Verständnis für so mache/n Dienstleisterkollegin/en.

Es gibt so Menschen, bei denen ist das Glas immer nur halb leer. Egal was ist. Da kannste machen, waste willst. Es wird nicht halb voll. Ich sehe das im Moment leider zu genüge. Hochzeitsdienstleister, die Planungssicherheit habe möchten (Hallo??? Wer will die nicht??? Die kann nur niemand geben, denn es ist ein Virus, das uns hier gerade auf Trab hält und nichts Planbares!!!). Ich sehe Posts von Hochzeitsdienstleistern, die quasi alles Negative, das ihnen gerade einfällt, den Paaren nur so um die Ohren hauen. Ja, es stimmt. Es geht einiges nicht. Es muss aber bitte nicht ständig betont werden, dass eine Hochzeit nichts ist, wenn man sich nicht umarmen kann. Denn das stimmt nicht! Man kann auch anders feiern! Richtig, richtig, richtig übel ist es, dass man nicht mal seine engsten Angehörigen bei einer Beerdigung umarmen und ihnen so Trost spenden kann. Bei einer Hochzeit handelt es sich meiner Kenntnis nach aber immer noch um ein fröhliches Fest, da kann man gerne kreativ sein und mit den Ellenbogen anstoßen oder mit den Füßen, oder oder oder. Dieses Pessimistische nervt mich gewaltig! Und zugleich bin ich froh, dass ich Paare habe, die mit mir kommunizieren und nach Lösungen suchen – und diese dann auch finden. Denn auch da höre ich krasse Sachen von Kolleginnen. Von Paaren, die ernsthaft fragen „Warum ausgerechnet ich??“ – eine Frage die grundsätzlich gestellt werden kann, aber doch bitte nicht so, als ob man das privatpersönliche und einzige „Opfer“ von Corona ist. Es geht um ein Fest, das vielen sehr wichtig ist. Zu Recht wichtig ist. Man kann das aber tatsächlich verschieben oder sich überlegen, wie man den auserwählten Tag mit den Vorgaben toll feiern kann. Dafür, dass alle immer so individuell sein wollen, sind viele gerade sehr eingeschränkt. Zudem wenn sie mal schlicht behaupten, dass es Corona gar nicht gib. Leute, im Ernst!

Ich hatte mich auf viele Hochzeiten gefreut in diesem Jahr. Einige wenige werden stattfinden, andere werden (hoffentlich) um so wilder im nächsten Jahr gefeiert. Die, die gefeiert werden, werden anders sein. Allerdings ist anders nicht per se Mist. Lasst euch das bitte nicht einreden! Es stimmt schlicht nicht! Urlaub mit Kindern ist auch anders – ist er dadurch wneiger schön? Nein!

Und was ich nie dachte, was aber ehrlich cool ist – wenn auch anders: Autokonzerte machen viel Spaß! Und wenn man sich auf viele, viele, viele Konzerte gefreut hat, die nach und nach verschoben werden oder sogar abgesagt sind, ist es eine tolle Möglichkeit, Musik zu erleben. Anders, aber nicht schlecht. Wie Hochzeiten. Und wie gesagt: Liebe Paare, alles gut. Lieder Kolleginnen und Kollegen: Kriegt euch wieder ein!

So. Ich habe fertig. Bleibt bitte gelassen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine und die meisten anderen Brautpaare sind es ja auch.

(Ein paar Gedanken zum) Muttertag

Vorgestern, am Sonntag, war Muttertag. Vermutlich verwundert es nicht, dass die (modernen) Ursprünge aus den USA kommen. Wie Valentinstag auch. Und im Grunde ist damit auch schon alles gesagt: Kann man feiern, muss man nicht. Und vor allem sollte man sich von dem Hype frei machen, der um diesen Tag gemacht wird. Vielleicht erinnert ihr euch an die ganzen Herzprodukte, die man zum Valentinstag kaufen konnte. Die gab es nun eins zu eins wieder – für die Mütter. Meine hätte mich vermutlich umgehend enterbt, wenn ich ihr mit einem Sushiherz gekommen wäre. (Das heißt tatsächlich nicht, dass ich als Kind (vermutlich schrecklich hässliche) Dinge gebastelt und gemalt und sie Mama geschenkt habe. Und das heißt auch nicht, dass sie vorgestern nichts bekam. Nur eben was schönes, sinnvolles, ohne Herzen und Glitzer und rosa.)

Das wirklich schwierige an Muttertag ist doch, dass suggeriert wird, dass es nur tolle Mütter gibt. Jede Mama ist die Beste (sorry an alle Mütter, das ist bullshit! Einzig meine isr die Beste, wenn eure Kinder euch das vorgestern gesagt haben, haben sie euch angelogen :)). Dabei werden allerdings leider ein paar Dinge übersehen: Es gibt Kinder, die keinen Kontakt zu ihrer Mutter haben oder ein schlechtes Verhältnis. Ich kann mir nur vorstellen, wie es schmerzen muss, diese ganze Muttertags-Zuckerwatten-Welt sehen zu müssen. Und genau so weh tut es allen, die keine Mama mehr sind oder es nie werden konnten / durften.

Natürlich kann nicht immer an alle Eventualitäten gedacht werden bei jedem besonderen Tag. Irgendwer ist immer ausgenommen. Vielleicht sollten wir aber ein wenig sensibler werden bzw. sein, wenn Menschen in unserem Umfeld mit dem Muttertag nichts anfangen können – weil sie ihre Mama verloren haben oder ihr Baby und somit ihre eigene Mutterschaft.

Ich umarme alle fest, die einen schönen Muttertag hatten und ich umarme alle ebenso fest, bei denen es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht der Fall war!

IMG_20180507_173329

Heiraten in besonderen Zeiten

Ich habe vollstes Verständnis für alle Paare, die schon jetzt umbuchen, auch wenn niemand weiß, was in ein paar Wochen geht – oder eben auch nicht. Und es tut mir ehrlich für jedes Paar leid, dass im Moment keine freie oder kirchliche Trauung feiern kann. Standesamt aber, das geht. Und darum heute einfach mal ein Link: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordreportage/Die-Liebe-in-Zeiten-von-Corona,dienordreportage1050.html

Bis zum 21.04.2021 könnt ihr euch dort anschauen, dass man auch in Zeiten von Corona nicht unbedingt alleine feiern muss. Viel Spaß!

Konfirmationen und Sylt – 1997 und heute

27.04.1997, ein reichlich nervöses und demzufolge wuseliges Mädchen -gänzlich uncool, sehr feierlich gekleidet und mit ehrlich richtig langen Haaren-, steht kurz vor 10 Uhr mit einigen anderen 13- und 14-Jährigen vor der Kirche. Es half genau gar nichts gegen die Nervosität, dass der gesamte Trupp (samt Pastor, Diakonin und KV) kurz zuvor noch um die Kirche zog. Kalt war es, das weiß ich noch. Nachmittags ging es dann. Und ich weiß noch, dass ich von Mama ein Wochenende auf Sylt geschenkt bekommen habe. Sylt, meine Trauminsel. Auf der ich Jahre zuvor den schlimmsten Liebeskummer ever hatte (wer mir schon länger und aufmerksam folgt, kennt die Geschichte). Ich war auch nach dem Wochenende mit Mama noch mehrfach dort, nun seit vielen Jahren nicht mehr.

Und ich muss gerade an die viele Konfirmandinnen und Konfirmanden denken, die nun nicht hibbelig vor der Kirche stehen können, wie ich es 1997 tat oder wie es meine Konfis im letzten Jahr taten. Ihre Konfirmation muss warten. Und das tut mir ehrlich leid. So viel muss warten. Und so viel scheint so weit weg und unerreichbar, Sylt zum Beispiel auch. ABER: Irgendwann ist das Warten vorbei. Irgendwann werden den jungen Menschen die Bibelverse zugesprochen, die sie sich ausgesucht haben und die sie hoffentlich ein Leben lang begleiten. Geplant ist Herbst. Irgendwann werde ich auch mal wieder nach Sylt kommen – und wenn nicht: Es gibt wahrlich Schlimmeres! Und Gesundheit ist und bleibt das höchste Gut.

(Kleiner funfact noch: Das Konfirmationskleid passt noch heute, uncool bin ich wohl auch noch immer, nur die Haare, die sind ab. Fielen nur wenige Tage nach der Konfirmation der Schere zum Opfer. Und sind seitdem auch nie wieder länger als bis zur Schulter gewesen. Falls ihr mich also noch mit langen Haaren kennt, kennen wir uns schon ehrlich richtig lange ;-))

Spiele auf Hochzeiten – solche und solche…

Es ist tatsächlich nicht ganz leicht, auf Hochzeiten für gute Unterhaltung zu sorgen. Was der Eine brüllend komisch findet, findet die Andere unfassbar peinlich. Irgendwo zwischen Fremdscham und Spaß liegt die Humormitte, die man im Bestfall finden muss. Für das Brautpaar (vor allem!) und die Gäste.

Schaut, dass Spiele niemanden reinreiten. Nicht die Gäste, vor allem nicht das Brautpaar. Natürlich kann es auch mal ein wenig peinlich werden und ist dadurch brüllend komisch. Aber wenn es unter die Gürtellinie geht, dann hört der Spaß wirklich auf! Ihr kennt das Paar am besten, also richtet euch nach dem Paar und nicht nach dem, was ihr lustig findet. Es ist nicht eure Hochzeit. Und schaut vielleicht auch, dass ihr nicht ein 0815-Spiel nehmt, sondern einfach mal eure Phantasie spielen lasst.

Falls ihr wissen wollt, was es mit dem Hochzeitsdart auf sich hat: Jedes Paar bzw. jeder Einzelgast bzw. jede Familie konnte etwas aufschreiben, dass sie mit dem Paar innerhalb der nächsten 12 Monate unternehmen möchte (Ausflug wohin auch immer, Picknick im Park, …) und das Paar durfte dann 2×6 Darts werfen, um zu erfahren, was sie im nächsten Jahr mit wem unternehmen. Unser Besuch im Vogelpark steht noch aus, aber irgendwann wird er wieder geöffnet sein und dann haben wir einen schönen Tag zusammen 🙂

Hochzeitsdart

„Freunde, dass der Mandelzweig…“

Wieder blüht und treibt,
Ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
Soviel Blut auch schreit,
Achtet dieses nicht gering,
In der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
Eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg
Leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
Wieder blüht und treibt,
Ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?“

Ich bin auf eine ganz besondere Geschichte gestoßen, die ich heute gerne mit euch teilen möchte.
Stellt euch vor, ihr werdet 1913 in Deutschland geboren. Als Jude. Mehrfach werdet ihr bis 1935 von den Nazis verhaftet. Es endet nur, weil ihr das große Glück habt, nach Israel reisen zu können. (Wenige können das, die Befreiung des KZ Bergen-Belsen morgen vor 75 Jahren zeigt das nur zu deutlich.) Der Krieg bricht aus und mitten im Krieg seht ihr aus eurem Arbeitszimmer den Mandelbaum, der einfach blüht. Der sich nicht schert um die Verbrechen, die in der Welt geschehen. Und ihr dichtet „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“. Genau so ist es Friedrich Rosenthal ergangen, der sich in Israel den Namen Schalom Ben-Chorin gab – das bedeutet „Frieden, Sohn der Freiheit“.

Draußen ist Frühling. Die Zeiten sind ungewiss. Und doch: Wir leben in Frieden! Bei allen Problemen: Im Grunde geht es uns gut. Es ist kein Krieg, der um uns tobt. Wenn wir uns an ein paar Regeln halten, dann stehen wir das alles zusammen durch. Wie der Mandelzweig auf dem Foto, der zwischen dem Kinderzimmer meines Bruders und meinem Kinderzimmer steht. Und blüht.

521

nah und fern – zusammen und alleine

Wir befinden uns in der Mitte der Karwoche. Drei Tage noch, dann gedenken wir den Tod Jesu. Vor zwei Tagen erinnerten wir uns an seinen Einzug in Jerusalem, bei dem er noch von der Menge bejubelt wurde. Ihm war sein Weg klar, allen um ihn herum nicht. Und am Sonntag werden wir dann feiern, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dass Jesus auferstand. Auerstand, nachdem er für uns und unsere Sünden grausam starb.

Nun, dass in diesem Jahr alles ander sein wird, das muss ich nicht extra erwähnen. Keine Gottesdienste in der Kirche – dafür aber online. Gott sei Dank und natürlich auch den Verantwortlichen vor Ort, die das möglich machen.

Keine Treffen mit der Familie. Zumindest lege ich euch das sehr ans Herz, verboten ist es eh. Ich vermisse meine Familie sehr. Ich bin fast jeden Tag nah dran und doch sind sie so weit weg, wie sie es nie waren. So viele Treffen mussten schon abgesagt werden – und das, wo wir doch im Moment mehr Zeit als sonst haben. Naja, genau genommen haben wir ja durch die Absagen mehr Zeit… Bei mir fand u.a. das Treffen mit meinem Patenkind nicht statt und die Taufe des nun-doch.noch-nicht-Patenkindes wurde abgesagt. Und so weiter und so weiter. ABER: Ja, im Moment sind alle weit weg, auch wenn sie nur zwei Meter von uns weg stehen. Wir können ihnen aber nah sein. Sie anrufen, ihnen schreiben. Ich lese seit Wochen jeden Tag ein Kinderbuch oder je nach Länge ein Kapitel eines Kinderbuches ein und schicke es an die Kinder der besten Freundinnen. So hören sie mich wenigstens. Die Qualität ist nicht so, wie ich sie gerne hätte und ich kann das auch nicht schneiden, so dass es manchmal leider mit Verlesern ist. Aber hei. Wir sind dann verbunden und das ist es, was zählt. Nah und fern in einem. Zusammen, auch wenn wir jeder für uns sind.

Kommt gut durch diese stille, die Karwoche, und habt dann gesegenete Ostern!